Zeichen:handeln

Zeichen:handeln

In „Das fünfte Imperium. Ein Vampir Roman.“ (Luchterhand, 2009, S. 172) beschreibt Viktor Pelewin, wie der Mensch, als simples Gemüt, so tickt:

Ich mag dieses Zitat sehr, es scheint mir viel Weisheit zu enthalten – und auch auf weniger simple Gemüter, eigentlich sogar auf alle zuzutreffen.

Denn tatsächlich ist jede Aussage und jede Wahrnehmung mit einer mehr oder weniger impliziten Handlungsanweisung oder -empfehlung verknüpft. Wenn wir sagen: „Es ist hell.“ oder „Die Sonne scheint.“ oder „Die Magnolien blühen.“, dann macht eine solche Aussage wirklich wenig Sinn, sie hat wenig Bedeutung, wenn sie nicht irgendeine Art von Konsequenz bereitstellen würde. Man kann eigentlich keine noch so simple Aussage treffen, die nicht einen ganzen Rattenschwanz darauf folgender Aussagen, also Zeichen, bzw. Handlungsoptionen oder – anweiseungen impliziert. Nach: „Es ist heiß.“ folgt etwas, nämlich irgendeine Handlung oder Konsequenz: Also krieche ich beiseite. (Oder mache oder denke sonst irgendetwas.)

Peirce bezeichnet das als Pragmatizismus. Und er stellt sein gesamtes Werk, also auch die Semiotik unter dieses Vorzeichen des Pragmatizismus.

Alle Zeichen (und, wenn die Magnolien blühen, ist das natürlich ein Zeichen) sind demnach keine Etiketten, die an den von ihnen bezeichneten Objekten irgendwie haften, sondern sie ergeben sich immer aus Handlungszusammenhängen. Er schreibt:

Das bedeutet, du kannst jede simple Aussage, wie beispielsweise „Die Magnolien blühen.“ in einen Wenn-dann-Satz transformieren, denn wenn so ein simpler Satz überhaupt eine Bedeutung haben kann, dann nur, indem er eine Tendenz beinhaltet, einer korrespondierenden praktischen Maxime Nachdruck zu verleihen, die man mit einem Konditionalsatz (wenn – dann) formulieren kann, deren Nachsatz einen Imperativ bildet:

„Die Magnolien blühen.“ wird dann zu: „Wenn die Magnolien blühen, dann wird es Frühling.“ Und das impliziert eben irgendeine Reaktion, eine Konsequenz, eine Handlung im weitesten Sinne: „Wenn die Magnolien blühen, dann können wir die Wintermäntel wegpacken, einen Ausflug machen, Ostereier suchen gehen“ usw. usf.

Wenn ihr das mal durchdenkt, dann werdet ihr schnell merken, dass sich in praktisch jeder Wahrnehmung und in jeder noch so simplen Feststellung (Aussage) solche Handlungsempfehlungen verbergen – denn andernfalls würden sie einfach bedeutungslos bleiben. „Es ist hell.“ oder „Die Sonne scheint.“ bekommt eben nur dadurch irgendeine Bedeutung, dass eine solche Aussage eine gewisse Konsequenz impliziert: „dann muss ich aufstehen!“ oder „Dann muss ich Sonnencreme verwenden!“ oder „Dann kann ich den dicken Mantel weglassen!“ oder, für simple Geister eben: „Dann gehe ich jetzt auf Nahrungssuche!“.

Wenn ihr ein bisschen darüber nachdenkt, wird euch rasch klar, dass es praktisch keine Aussage gibt, die nicht mit irgendeiner Art von Handlung als Konsequenz verbunden ist.

Übrigens wäre auch die Reaktion „Aha, juckt mich nicht!“ auf die Feststellung: „Die Magnolien blühen.“ eine Reaktion.
Es gibt also keine Feststellung oder Wahrnehmung ohne praktische Konsequenz, auch wenn die nur in der Ablehnung einer praktischen Konsequenz besteht.

(Typisches Frühstücksgespräch simpler Geister:
Sie: „Die Magnolien blühen.“
Er: „Und Jetzt?“)


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