Abbildung: K.C.L. Knoth: ohne Titel. In: Leb wohl sagt mein Genie – Ordugele muss sein. Texte aus der Prinzhorn-Sammlung. Inge Jádi (Hg.), Wunderhorn, Heidelberg, 1985. S. 157.
Lacan und Peirce
Für alle Peirceianer unter euch, die zugleich Lacanianer sind: Ist euch schon mal aufgefallen, dass man die Peirce’sche Zeichentridae mit der Lacanianischen von S (barré), a, A vergleichen kann?

Das Subjekt würde ich an die Stelle des Zeichenmittels setzen, als das von a und A „geformte“ Material, das a wäre das Objekt und zwar je nachdem das dynamische oder das unmittelbare (Spiegelstadium!) – also jedenfalls etwas Projiziertes/Projizierendes, in dem sich das Subjekt verkennt. A wäre klar der Interpretant, das Gesetz, das das Spiel oder Ringen der Projektionen reguliert, segnet oder arretiert.
Möglicherweise könnte man die Analogie (im Gedankenexperiment) noch weiter führen, indem wir an der Stelle des Lacan’schen a, der Stelle des moi, des phantasmatischen Ich, dem Phantasma seiner Unversehrtkeit und Perfektion die Peirce’sche Unterscheidung zwischen unmittelbarem und dynamischen Objekt gegenüberstellt: Dem dynamischen Objekt, so wie es an sich sein mag, unerreichbar im Grunde, entspricht doch deutlich das idealisierte, perfekte moi; das weniger perfekte, zerstückelte, wenn man so mag, entfremdete, phantasmatisch verzerrte Spiegel-Ich drückt sich in den verschiedenen Möglichkeiten des unmittelbaren Objekts aus – so wie es im Zeichen/Spiegel dargestellt wird.
Kann man sicher auch andersherum ausprobieren, aber dass es da bei der Bestimmung des S etwas Phantasmatisches und etwas Symbolisches gibt, kann man meines Erachtens gut ins Semiotische bei Peirce übersetzen.
Okay, das ist nur eine Spielerei, ein Gedankenexperiment. Sicher kann man beide Triaden nicht eins zu eins ineinander übersetzen. Aber man probehalber ja mal versuchen, das eine mit dem anderen zu denken:
Was also, wenn wir uns den groß Anderen als Interpretanten vorstellen, der allen Beziehungen zwischen S und a etwas Regel- oder Gesetzmäßiges verleiht? Das würde doch der Aufgabe des Interpretanten in der semiotischen Triade in etwa entsprechen.
Außerdem gefällt mir die Gleichsetzung von S mit Zm: In dem Sinne, als wir Subjekte möglicherweise tatsächlich eher das geformte Material sind, und nicht die Former.


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